Lokale Aktionen in Schleswig-Holstein

Hintergrund

Die Umsetzung von Naturschutzvorgaben ist naturgemäß nicht selten mit Interessen- und Zielkonflikten zwischen Nutzern und Schützern verbunden. Aus diesem Grund hat sich das schleswig-holsteinische Umweltministerium dafür entschieden, bei der Umsetzung des europäischen Schutzgebietsnetzes Natura 2000 einen kooperativen Ansatz zu verfolgen, der durch eine ausgeprägte Öffentlichkeitsbeteiligung dazu beiträgt, das Verständnis für und die Akzeptanz gegenüber Natura 2000 in der Bevölkerung nachhaltig zu steigern. Die Entwicklung des Natura-2000-Managements soll – unter anderem mit Hilfe Runder Tische und durch zielgruppenorientierte Kommunikation, Verhandlung, Moderation und ggf. Mediation – in einem transparenten „Bottom-up-Prozeß” erfolgen; dabei soll den in der Region lebenden und wirtschaftenden Menschen die Möglichkeit gegeben werden, sich in den Naturschutz in ihrer Umgebung einzubringen und selbst dazu beizutragen, einvernehmliche Lösungen für den Interessensausgleich zwischen europäischem Naturschutz und konkurrierenden Flächenansprüchen zu entwickeln.

Lokale Aktionen

werden zu diesem Zweck vor allem in solchen Gebieten ins Leben gerufen, in denen aufgrund einer komplexen Nutzungs- und Eigentümerstruktur ein hohes Konfliktpotential besteht. Bei den Lokalen Aktionen – vormals als „Lokale Bündnisse“ bezeichnet – handelt es sich um naturschutzfachlich kompetente, aus EU- und Landesmitteln geförderte regionale Netzwerke, die über eine geeignete Trägerstruktur die unterschiedlichen Interessengruppen sowohl der Nutzer- als auch der Schützerseite vertreten. Ihre vorrangige Aufgabe ist die Entwicklung von Managementplänen für die als Natura-2000-Gebiete ausgewiesenen Flächen und deren weitgehend eigenverantwortliche Umsetzung.

Nach den Zuwendungsrichtlinien des Ministeriums für Landwirtschaft, Umwelt und Ländliche Räume (MLUR) sind mit der Föderung der Lokalen Aktionen durch das Land im einzelnen die folgenden Aufgaben verknüpft:

  • Erarbeitung von Konzepten zur Umsetzung von Natura 2000 auf Basis der fachlichen Landesvorgaben über die gebietsspezifischen Erhaltungsziele (d. h. Entwurf von Natura-2000-Managementplänen),
  • Abstimmung der Projektumsetzung mit Fachbehörden und Interessensgruppen,
  • Umsetzung und Koordinierung der im Konzept erarbeiteten Maßnahmen (Flächensicherung und -management, Entwicklungs- und Begleitmaßnahmen),
  • Information, Beratung und Aktivierung der Bevölkerung und
  • begleitende Öffentlichkeitsarbeit und Umweltbildung.

Örtliche Akteure

als Partner bei der Umsetzung von Natura 2000 können je nach den lokalen Gegebenheiten z. B.

  • Flächeneigentümer und Landbewirtschafter,
  • Wasser- und Bodenverbände,
  • Kreisbauernverbände,
  • Jagd- und Fischereiverbände bzw. -vereine,
  • Naturschutzverbände und -stiftungen,
  • Naturschutzbeauftragte auf Kommunal-, Kreis- und Landesebene,
  • Gebietsbetreuer benachbarter Gebiete,
  • die Straßenbauverwaltung,
  • die Schleswig-Holsteinischen Landesforsten,
  • der Landessportverband sowie
  • Vertreter der Aktivregionen sowie des Bereiches Tourismus

sein.

Ziele

der Lokalen Aktionen sind gemäß den Vorgaben von Natura 2000

  • die nachhaltige Sicherung und Entwicklung von bedrohten Arten und Lebensraumtypen,
  • die Vernetzung von Schutzgebieten und -gütern,
  • die Erarbeitung und Umsetzung eines auf die Belange aller Beteiligten hin ausgerichteten Bewirtschaftungskonzeptes,
  • die Verbesserung des Wissensstandes über Natura 2000 in der Bevölkerung und, damit verknüpft,
  • die Steigerung der Akzeptanz für Natura-2000-Maßnahmen.

In Schleswig-Holstein

sind derzeit sechs (sieben) Lokale Aktionen tätig:

Name/Gebiet Träger
Obere Treene Naturschutzverein
Obere Treenelandschaft
e. V.
Schlei Naturpark Schlei e. V.
ETS-Niederung Kuno e. V.
Dithmarschen Bündnis Naturschutz
in Dithmarschen e. V.
Aukrug Naturschutzring Aukrug
Naturpark Westensee – Obere Eider Naturpark Westensee – Obere Eider e. V.
Nordfriesland voraussichtlich ab 1.7.2019

Lokale Aktion Naturpark Westensee – Obere Eider

Lokale Aktion Am 25. Juni 2010 erhielt der Verein Naturpark Westensee – Obere Eider e. V. offiziell die Anerkennung als Träger der Lokalen Aktion Naturpark Westensee – Obere Eider. Diese hat mit Erhalt der Zuwendung die Verpflichtung übernommen, in Kooperation mit Flächeneigentümern, Bewirtschaftern, Kommunen, Vereinen und Verbänden Managementpläne für sechs der insgesamt zehn in der Kulisse des Naturparks Westensee – Obere Eider gelegenen Natura-2000-Gebiete zu erstellen und den Managementprozeß einzuleiten.