Die Flussseeschwalbe (Sterna hirundo), eine der wenigen Seeschwalbenarten, die auch im Binnenland vorkommt, ist in Deutschland stark gefährdet. Während sie im 19. Jahrhundert noch entlang großer Flüsse weit verbreitet war, ist ihr Bestand heute dramatisch zurückgegangen. In Schleswig-Holstein wurde die Art in der aktuellen Roten Liste in die Kategorie „gefährdet“ hochgestuft. Hauptgründe für den Rückgang sind der Verlust natürlicher Brutplätze sowie Störungen durch Prädatoren und Menschen. Als Bodenbrüter benötigt die Flussseeschwalbe ungestörte, vegetationsarme Inseln oder Sandbänke – Lebensräume, die immer seltener werden.
Künstliche Brutflöße als Rettungsanker
Um dem entgegenzuwirken, setzt ein engagiertes Netzwerk aus lokalen Akteuren auf künstliche Brutflöße als sichere Rückzugsorte. Der Westensee, der bereits regelmäßig von Flussseeschwalben zur Nahrungssuche genutzt wird, ist nun Schauplatz eines neuen Artenschutzprojekts: Zwei neue Brutflöße wurden dort erstmals ausgebracht. Zudem wurde auf dem Spülfeld Flemhuder See ein bereits seit 2015 genutztes Brutfloß durch ein zweites ergänzt, um die bestehende Kolonie zu stärken.
Ein starkes Netzwerk für den Artenschutz
Das Projekt wird von einem von einem starken Netzwerk engagierter Akteure getragen: Die Lokale Aktion Naturpark Westensee leitet und organisiert das Projekt. Die Rangerin des Naturparks Westensee übernimmt zusammen mit dem Schutzgebietsbetreuer des BUND (Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland) und der Ortsgruppe Westensee sowie dem NABU Nortorf die Betreuung der Brutflöße.
Der Landesangelverband Schleswig-Holstein stellte sein Gelände am Seeufer zur Verfügung und hat mit seinem Boot die Flöße an ihren Ankerplatz geschleppt. Eine private Seeeigentümerin und die Wasser- und Schifffahrtsverwaltung haben als Eigentümer:innen ihr Einverständnis zur Maßnahme gegeben. Der Ruder- und Segelverein Westensee (RSVW) unterstützt das Projekt ideell und informiert seine Mitglieder über das Projekt mit der Bitte, Abstand zu den Brutflößen zu halten.
Die Firma Glindemann unterstützt unser Projekt großzügig, indem sie rund 8 Tonnen Kies inklusive Anlieferung gesponsort hat – ein essenzieller Beitrag für die Ausstattung der Flöße. Die Untere Naturschutzbehörde Kreis Rendsburg-Eckernförde finanziert das Vorhaben mit ca. 49.000 € aus Ersatzgeldern.
Gemeinsam für den Schutz der Flussseeschwalbe
Ende April haben wir nun gemeinsam angepackt: Ehrenamtliche des BUND Westensee und des NABU Nortorf trafen sich mit Mitarbeiter:innen der Lokalen Aktion Westensee, des Landesangelverbands und der Rangerin des Naturparks Westensee sowie ihrem Ranger-Kollegen aus dem Naturpark Hüttener Berge. Mit Schubkarren, Schaufeln, Eimern und Harken wurden die drei Flöße mit ca. 8 Tonnen Kies befüllt und mit Verstecken für die Küken sowie Wildtierkameras fürs Monitoring ausgestattet. Mit einem Boot des Landesangelverbands wurden am Ende die Flöße zu ihren jeweiligen Ankerplätzen geschleppt.
Die Standorte auf dem Westensee haben wir bewusst in Zonen gelegt, die für Angeln und Wassersport ohnehin gesperrt sind. Dennoch ist es wichtig, alle Seenutzer:innen für den Schutz der störungsempfindlichen Art zu sensibilisieren: Mindestens 50 Meter Abstand zu den Brutflößen sind essenziell, um den Bruterfolg nicht zu gefährden.
Die Flussseeschwalbe ist sehr störungsempfindlich und bereits geringe Annäherungen können dazu führen, dass sie ihre Nester verlassen und der Bruterfolg gefährdet wird. Zudem verteidigen die Vögel ihre Brutplätze energisch und können bei Gefahr angriffslustig werden!
Ein vielversprechender Start
Schon während der Aktion am Spülfeld Flemhuder See flogen einige Flussseeschwalben neugierig über die Helfer:innen und beobachteten die Arbeiten. Wenige Tage später konnten die ersten Seeschwalben bereits auf den Flößen sitzend beobachtet werden – ein vielversprechender Start für den Artenschutz am Westensee!
Appell an alle Seenutzer:innen
Wir bitten alle Wassersportler:innen, Angler:innen und Badegäste, die Schutzgebiete zu respektieren und ausreichend Abstand (mindestens 50 Meter) zu halten. Nur so können wir der Flussseeschwalbe am Westensee und Spülfeld Flemhuder See eine sichere Brut ermöglichen.