Erlebnisstationen im Naturpark Westensee werden mit dem deutschen Lehrkräftepreis ausgezeichnet

Das natur- und kulturpädagogische Projekt „Natur Erleben“ im Wald Hopfenkrug bei Gut Emkendorf wurde im Februar 2026 bei einer feierlichen Preisverleihung in Berlin mit dem „Deutschen Lehrkräftepreis – Unterricht innovativ“ ausgezeichnet. Das zweijährige Gemeinschaftsprojekt des Gymnasiums Kronwerk aus Rendsburg, der Muthesius Kunsthochschule aus Kiel und des Naturparkvereins Westensee Obere Eider e.V. in Felde erhielt in der Kategorie „Innovativer Unterricht“ den Cornelsen-Sonderpreis für „Umwelt und Nachhaltigkeit“.

Begonnen hatte alles im August 2022 mit einem Konzept des Naturparks in Kooperation mit der Muthesius Kunsthochschule (Prof. Andreas Greiner) und des Gutes Emkendorf als Eigentümer des Waldgebiets Hopfenkrug.

Die Idee war ein umweltpädagogisches, gestalterisches und handwerkliches Projekt mit der Entwicklung und Umsetzung von Naturerlebnis-Stationen zu verbinden. Die Schülerinnen und Schüler sowie die Studierenden sollten durch die Installation ihrer Werke im öffentlichen Raum ihre Selbstwirksamkeit auch außerhalb der Schule erfahren. Von Anfang an arbeiteten alle Projektbeteiligten miteinander auf Augenhöhe und lernten voneinander.

Es sollten Stationen entstehen, die Besucher einladen eine Verbindung zur Natur am jeweiligen Standort aufzunehmen und sie dadurch zu motivieren mehr über die Natur und ihre ökologischen Zusammenhänge zu erfahren. Die Landschaft und der (Lebens-)Raum jedes Standortes bilden dabei die Grundlage und den Einstieg in die Themen, die an den Stationen aufgegriffen werden. Die verwendeten natürlichen Materialien sollten sich gut in den Wald des Standortes einfügen und dadurch zusätzlich eine Verbindung zur Umgebung herstellen.

Das wesentliche Ziel des Projektes war von Anfang an, dass Schüler die konkreten Ideen zu den Stationen entwickeln und inhaltlich sowie gestalterisch mit Leben füllen sollten. Über die Fachberaterin für Kulturelle Bildung an Schulen im Kreis Rendsburg-Eckernförde, Renate Gaethke-Sander, wurde der Kontakt zur Lehrerin Martina Kapitza (Gymnasium Kronwerk, Rendsburg) hergestellt und diese Bildungseinrichtung für das Projekt gewonnen. Frau Kapitza war gleich vom Projekt und dem interdisziplinären Ansatz begeistert und die Schüler ihrer MINT-Klasse im Fach Biologie mindestens genauso.

So konnte es im Oktober 2022 mit einer ersten Projektbesprechung in der Muthesius Kunsthochschule in Kiel losgehen. Zu diesem Zeitpunkt ahnten alle noch nicht, dass sich das Projekt insgesamt doch über zwei Jahre bis zur feierlichen Eröffnung im Herbst 2024 hinziehen würde. Das lag nicht an mangelnder Einsatzbereitschaft der Beteiligten, vielmehr waren es z. B. organisatorische Umstände, wie Klausuren und Prüfungen der Schüler und der beteiligten Studentin Lena Muley auf die Rücksicht genommen werden musste. An der Stelle sind Ausdauer und Flexibilität der Lehrerin Martina Kapitza, aller Jugendlichen und nicht zuletzt der Studentin Lena Muley ausdrücklich hervorzuheben. 

In einem zusätzlichen integrierten Kulturellen Bildungsprojekt mit allen drei Partnern, gefördert durch das Programm „Schule trifft Kultur“ konnten die Schülerinnen und Schüler des Gymnasiums Kronwerk gemeinsam mit Lena Muley ihre Ideen für die Stationen des Lehrpfades noch tiefgehender entwickeln und Installationen in der Werkstatt der Muthesius Kunsthochschule praktisch – technisch wie künstlerisch – gestalten.

Belohnt wurden am Ende alle mit tollen und einzigartigen Stationen, die sich nun im Waldgebiet Hopfenkrug auf Besuch freuen.

Wer sich die Stationen anschauen möchte, startet am besten gegenüber der Bushaltestelle Emkendorf-Hopfenkrug. Am Eingang zum Wald ist links des Naturparkwanderweges ein großer Eichenstamm aufgestellt auf dem man erste Informationen zur Entstehungsgeschichte und eine Wegführung entlang der Stationen findet.

Schon nach wenigen Metern gelangt man von dort zu einer eindrucksvollen alten großen Eiche, die aufgrund ihrer zahlreichen Höhlen, Risse und Totäste vielen Waldbewohnern ein zuhause bietet. Genau deshalb heißt die hier installierte Station „Lebensraum Baum“. Auf einer großen Holztafel sind wichtige Lebensräume von Tieren eingezeichnet, die in der alten Eiche leben könnten. Beim Drehen der Scheiben erfährt man Spannendes über das Tier und seine „Wohnung“ im Baum.

Weiter auf dem Naturparkwanderweg erreicht man als nächstes die Station „Landschaftsgeschichte/Eiszeiten“ und lernt einiges über die Entstehung des Ostholsteinischen Hügellandes. Durch „Gucklöcher“ in Baumstämmen entdeckt man Höhenzüge der Westensee - Endmoräne und einen Findling, unseren Freund „Steinalt“.

Die Station „Buche“ befindet sich auf dem weiteren Weg rechts vor dem Abzweig des Wanderwegs, der bergab zum Alten Forsthaus Hopfenkrug führt. Blickt man von der Station „Buche“ nach Norden sieht man eine große mächtige Buche in ihrer vollen Pracht. Was es mit der Buche im Speziellen so auf sich hat, erfährt man, wenn man die Fragen auf der Tafel liest und die richtige Antwortmöglichkeit auswählt. Die Lösung ist auf der Rückseite der Holztafel zeichnerisch dargestellt.

Wir gehen weiter bergauf und gelangen nach ein paar Minuten zur Vogelstation. Diese Station ist an diesem Ort entstanden, weil hier im Frühjahr und Sommer sehr viele verschiedene Vögel zu hören sind. Auf drehbaren Würfeln der Station können die Merkmale wichtiger einheimischer Vögel zugeordnet werden. In fest installierten Schaukästen sind die meist selbst gebastelten Vogelnester der Jugendlichen zu sehen.

Tipp für die Würfelstation: Rechts unten auf jedem Würfel ist ein kleines Zeichen zu sehen. Stehen drei gleiche Zeichen in einer Würfelreihe, sind die richtigen Merkmale zum ausgewählten Vogel auf der linken Seite gefunden.

Nach ein paar Metern bergauf geht es anschließend wieder hinab in ein kleines Tal zu unserer Station Quelle. Typische Tiere dieses Lebensraums sind als Holztafeln im Quellbereich installiert. Eine größere Tafel am Wegrand veranschaulicht den Wasserkreislauf, der mit einem drehbaren Zeiger nachverfolgt werden kann. An heißen Sommertagen ist es hier meist merklich kühler als in der Umgebung. Den Tieren und Pflanzen im Quellbereich gefällt das sehr gut.

Bitte nicht in den Quellbereich hineingehen, es lässt sich alles von oben gut beobachten.

Unser Weg führt uns weiter nach Nordosten bis wir in einer Kurve an zwei kleinen Holztafeln vorbeikommen. Das sind zwei von insgesamt acht Holztafeln entlang unseres Rundweges, auf denen interessante Baumarten vorgestellt werden.

Anregung: Mit einem Bleistift und Papier lassen sich die kleinen Bilder am unteren Tafelende durchpausen. Man hat eine schöne Erinnerung an die Wanderung und besondere Merkmale (Blatt, Wuchsform, Frucht) einer Baumart auf Papier festgehalten.

Am Ende des Weges biegen wir nach links ab. Zur Rechten sehen wir das Grüne Klassenzimmer des Naturparks und erreichen nach ein paar Metern eine große bunte Schautafel. Sie zeigt die biologische Vielfalt im Naturpark Westensee und wurde im Rahmen eines anderen Projektes des Naturparks realisiert. Ein wahres Wimmelbild von Tieren und Lebensräumen, die liebevoll alle von Hand gezeichnet wurden.

Wir folgen dem Weg nach links in westliche Richtung und sind nun wieder auf dem Naturparkwanderweg. Unsere letzte große Station erreichen wir nach ca. 100 Metern. Die Station „Baumfühlen“ erklärt sich von selbst. Um welche Baumart handelt es sich? Hinweise geben die runden Baumscheiben unterhalb der Stämme. Wer jetzt noch nicht darauf kommt um welchen Baum es sich handelt, darf gerne mal um die Station herumlaufen.

Eine weitere zusätzliche Station mit dem Namen „Artenreiches Feuchtgebiet“ wird in Kürze eröffnet und auch auf unserer Webseite beschrieben werden. Die Station Feuchtgebiet wurde auch von den Schülern und Schülerinnen geplant, konnte im Rahmen des Gemeinschaftsprojekts aber nicht mehr realisiert werden, da die Geldmittel 2024 ausgeschöpft waren. Im Jahr 2025 wurden dann glücklicherweise Gelder des Kreises Rendsburg-Eckernförde bereitgestellt und die Station konnte gebaut werden.

Alle Projektbeteiligten haben sich sehr über die Auszeichnung des Projekts vom Deutschen Lehrkräftepreis im Februar 2026 in Berlin gefreut. Ganz besonders über die folgenden Zitate aus den Gutachten, die unser Projekt bewertet haben:

„Wann haben Schülerinnen und Schüler schon die Möglichkeit, zu erfahren / zu begreifen, wie lange sich ein Prozess von der Idee bis zur Umsetzung hinzieht, wenn es im öffentlichen Raum auf Dauer installiert wird.“ 

„Die Zusammenarbeit mit Hochschulen / Studierenden, Naturparks / Rangern, Handwerkern, Förderinstitutionen ist hier einfach einmalig und bringt so viel mehr mit auf dem weiteren Lebens- und Berufsweg der Schülerinnen und Schüler, die herkömmliche Umweltprojekte in Schule nie leisten werden können. Chapeau!“ 

„In dem Projekt, das von Anfang an auf Kooperation und Interdisziplinarität ausgerichtet ist und in dem sich Schülerinnen und Schüler Achtung vor der Umwelt und damit Umweltschutz zu eigen gemacht haben, wird Umwelt erlebbar.“ 

Alle Kriterien des Sonderpreises seien „überraschend und kreativ erfüllt“.

Quelle: Deutscher Lehrkräftepreis

Ganz besonders bedanken möchten wir uns zum Schluss nochmal bei unseren zahlreichen Förderern, die die Umsetzung dieses tollen Projektes ermöglicht haben: