Austausch über Naturschutz, Zusammenarbeit und konkrete Projekte vor Ort

Am Mittwoch, 14. Oktober 2026, besuchte Staatssekretärin Katja Günther aus dem Ministerium für Energiewende, Klimaschutz, Umwelt und Natur die Lokale Aktion Naturpark Westensee – Obere Eider auf dem Trockenrasen Warder. Bei schönster Herbstsonne informierte sie sich gemeinsam mit Vertreter:innen der Lokalen Aktion und ihrer Kooperationspartner über die Arbeit vor Ort und tauschte sich über aktuelle Herausforderungen und Chancen im Naturschutz aus. Begleitet wurde der Besuch von den tierischen Landschaftspflegern der Arche Warder: Poitou-Eseln und Wasserbüffeln.

Im Mittelpunkt des Austauschs stand die Bedeutung von Netzwerkarbeit und Kooperation für einen erfolgreichen Naturschutz vor Ort. Die Lokale Aktion bringt Landnutzer:innen, Eigentümer:innen, Kommunen, Naturschutz und weitere Akteur:innen zusammen, entwickelt gemeinsam mit ihnen Projekte und begleitet deren Umsetzung. So können Naturschutzziele konkret und langfristig in der Region umgesetzt werden.

„Eine enge Zusammenarbeit und kurze Wege zwischen den Beteiligten sind ein besonderes Merkmal der Lokalen Aktion“, betont Geschäftsführerin Antonia Wanner. „Gerade bei komplexen Naturschutzprojekten braucht es langfristiges Engagement und personelle Kontinuität. Nur so kann eine vertrauensvolle und verlässliche Basis entstehen.“

Durch diese Netzwerkarbeit und die konkrete Umsetzung von Naturschutzmaßnahmen leistet die Lokale Aktion zugleich einen wichtigen Beitrag zur Erreichung der Naturschutzziele des Landes. Dazu gehört auch die Umsetzung der Verpflichtungen gegenüber der Europäischen Union aus den Natura-2000-Richtlinien und der Naturwiederherstellungsverordnung sowie aus der EU-, Bundes- und Landes-Biodiversitätsstrategie.

Der Trockenrasen Warder als Beispiel für erfolgreiche Zusammenarbeit

Wie diese Zusammenarbeit konkret funktioniert, zeigte Projektverantwortlicher Marius Stapelfeldt am Beispiel des Trockenrasens Warder. Auf den mehr als 20 Hektar großen, ehemaligen Kiesabbauflächen haben sich aufgrund der nährstoffarmen Böden besonders wertvolle Trockenrasen entwickelt. Seit 2020 kümmert sich die Lokale Aktion gemeinsam mit ihren Partnern um den Erhalt dieser seltenen Lebensräume.

Nach dem Ende des Kiesabbaus in den 1990er Jahren waren die Flächen weitgehend sich selbst überlassen. Ohne Pflege drohten sie zunehmend zu verbuschen. Zunächst wurden deshalb Gehölze, insbesondere die invasive, aus Nordamerika stammende Spätblühende Traubenkirsche und einige Kiefern, entfernt. Seitdem werden Teilflächen gezielt beweidet. Dabei kommen Poitou-Esel und seit diesem Jahr auch Wasserbüffel der Arche Warder zum Einsatz. Die Tiere halten Gehölze zurück und schaffen gleichzeitig vielfältige Strukturen in Boden und Vegetation. Ergänzend wurden auf den relativ ebenen Flächen Relief- und Habitatstrukturen für Insekten und Reptilien angelegt, in denen diese Verstecke und Möglichkeiten zur Eiablage finden.

„Der Trockenrasen Warder ist ein besonders wertvoller Lebensraum und in dieser Größe und Nährstoffarmut einmalig in Schleswig-Holstein“, erläuterte Marius Stapelfeldt.

Trockenrasen bieten zahlreichen seltenen Pflanzen, Flechten und Insekten einen Lebensraum. Ohne eine entsprechende Pflege würden wichtige Lebensräume für die spezialisierten Pflanzen- und Tierarten verloren gehen. 

 

Gleichzeitig ermöglichen die Beweidung und die offene Gestaltung der Fläche Naturerleben sowie Umweltbildung für das Team des Naturpark Westensees und der Arche Warder.

Christian Koppitz vom Landesamt für Umwelt begleitet das Projekt fachlich seit Beginn. Für ihn ist es eine win-win-win-Situation: „Ein Partner aus der Industrie (Lockergesteinsabbau) und die Gemeinde stellen ihre Flächen bereit, damit dort unter Anleitung einer fachkundigen Naturschutzinstitution – der Lokalen Aktion – Pflege- und Wiederherstellungsmaßnahmen umgesetzt werden. Für die anschließende Pflege bringt ein landwirtschaftlicher Betrieb, die Arche Warder, seine – besonderen - Tiere auf die Fläche und betreibt gleichzeitig Umweltbildung. Damit wird für Naturschutz, Landwirtschaft und gleichzeitig auch für Tourismus und Naherholung ein Mehrwert geschaffen. Das ist landesweit etwas ganz Besonderes!“

Für Bürgermeister Thorsten Schneider ist der Trockenrasen auch aus Sicht der Gemeinde ein Gewinn: Viele Bewohner:innen freuten sich über die Entwicklung der Fläche und insbesondere über die Esel und Wasserbüffel, die dort inzwischen zum Landschaftsbild gehören.

Auch die Arche Warder profitiert von der Kooperation. „Wir unterstützen die Beweidung gern bei diesem Naturschutzprojekt direkt vor unserer Haustür“, sagt Christoph Gorniak, Leiter der Tierpflege. Gleichzeitig bieten die nährstoffarmen Flächen geeignete Weidemöglichkeiten für besondere Haustierrassen wie die Poitou-Esel. Auch die Wasserbüffel können das vorhandene Gewässer nutzen.

Gemeinsam Naturschutzziele umsetzen

Der Besuch von Staatssekretärin Katja Günther machte deutlich, wie wichtig es ist, Naturschutz nicht isoliert zu denken, sondern gemeinsam mit den Menschen und Institutionen vor Ort umzusetzen. Die Lokale Aktion übernimmt dabei eine wichtige verbindende Funktion: Sie bringt die unterschiedlichen Interessen und Kompetenzen zusammen, entwickelt daraus konkrete Maßnahmen und begleitet deren Umsetzung.

„Es ist schön zu sehen, was entstehen kann, wenn unterschiedliche Partner ihre Möglichkeiten zusammenbringen und gemeinsam an einem Ziel arbeiten“, so Lars Glindemann von der Glindemann Gruppe. 

Der Austausch auf dem Trockenrasen Warder zeigte damit einmal mehr: Wirksamer Naturschutz braucht gute Netzwerke, verlässliche Partnerschaften und Menschen, die gemeinsam ins Handeln kommen.